Haben Arbeitnehmer Anspruch auf Arbeit vom Home Office aus?

Die modernen Kommunikationsmittel machen es möglich, dass dienstliche E-Mails nahezu überall abgerufen werden können und die telefonische Erreichbarkeit der Mitarbeiter auch außerhalb des eigentlichen Arbeitsplatzes - etwa über ein Diensthandy - ohne Weiteres möglich ist.

Gerade Arbeitnehmer mit Kindern oder Arbeitnehmer, die eine längere Wegstrecke zum Arbeitsplatz zurücklegen müssen, wünschen sich häufig, zumindest an einzelnen Tagen in der Woche von zu Hause aus arbeiten zu können. Technisch wäre dies insbesondere im Bereich der typischen Bürojobs regelmäßig mit einem überschaubaren Aufwand einzurichten. Arbeitgeber sind von der Idee eines Home-Office-Tages häufig allerdings nicht begeistert.

Arbeitnehmer könnten die Einrichtung eines Home Office nur dann durchsetzen, wenn es dafür eine rechtliche Grundlage gibt. Da es eine gesetzliche Regelung hierzu derzeit nicht gibt, kommen als Rechtsgrundlagen primär der Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge in Betracht. Sofern dort ebenfalls keine Regelung vorgesehen ist, kann sich ein Anspruch lediglich noch aus der arbeitsvertraglichen Rücksichtnahmepflicht ergeben. Danach kann der Arbeitgeber zur Förderung des Vertragszwecks zu leistungserhaltenden Maßnahmen verpflichtet sein. Insbesondere sind hier familiäre Belange des Arbeitnehmers gegen die berechtigten betrieblichen Interessen des Arbeitgebers abzuwägen. Insofern besteht allerdings nur ein Anspruch auf eine ermessensfehlerfreie Entscheidung des Arbeitgebers. Nur in Ausnahmefällen kann das berechtigte Interesse des Arbeitnehmers derart stark überwiegen, dass sich der Entscheidungsspielraum des Arbeitgebers auf "Null" reduziert und somit ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Ermöglichung der Arbeit vom Home Office aus besteht.

Im Ergebnis wird ein Anspruch eines Arbeitnehmer auf Arbeit vom Home Office aus, daher regelmäßig nur begründen lassen, wenn es eine einschlägige vertragliche Regelung gibt. In der Praxis erlangen Betriebsvereinbarungen über die Tätigkeit im Home Office eine immer größere Bedeutung. Bei der Einführung von Home Office Arbeitsplätzen kommen schließlich zahlreiche Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats in Betracht. Insbesondere sind Fragen der Arbeitszeitgestaltung (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG), des Arbeitsschutzes (§ 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG) und der technischen Einrichtungen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) regelungsbedürftig.


Rechtsanwalt Dr. Christian Velten - Arbeitsrecht Gießen  / Wetzlar

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